Landflucht: Nachwuchsjuristen suchen ihr Karriereglück in der Großstadt

Wunscharbeitgeber der Juristen ist das Auswärtige Amt  + Großkanzleien werden beliebter + Referendariat: Drum prüfe, wer sich länger bindet + Brain Drain in andere Wirtschaftsbereiche + Legal Tech: Digitals für die Zukunftssicherung der Kanzleien

Berlin, 29. August 2017. Neun von zehn Nachwuchsjuristen wollen in einer der fünf großen Metropolregionen Deutschlands arbeiten und wohnen. Nur zehn Prozent entscheiden sich für andere Städte oder ländliche Regionen. Das zeigt sich auch bei der Wahl ihrer Wunscharbeitgeber: Das Auswärtige Amt führt das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber der Nachwuchsjuristen an, gefolgt von Freshfields Bruckhaus Deringer, der Europäischen Kommission, dem Bundeskriminalamt und Hengeler Mueller – allesamt Arbeitgeber, die in den Metropolregionen Deutschlands oder im Ausland angesiedelt sind. Zu diesen Ergebnissen kommt das trendence Graduate Barometer, eine Studie, die das trendence Institut jährlich unter 2.200 Nachwuchsjuristen durchführt, darunter Studenten, Referendare und junge Volljuristen. Das vollständige Ranking ist ab sofort unter www.trendence.com abrufbar.

 

Nachwuchssorgen bei Arbeitgebern in ländlichen Regionen

München ist die beliebteste Metropolregion: 22 Prozent aller Nachwuchsjuristen wollen hier arbeiten und wohnen. In der Rangliste folgen das Rhein-Main-Gebiet, Hamburg, das Rhein-Ruhr-Gebiet und Berlin. In die Hauptstadt zieht es immerhin noch 14 Prozent der Befragten. Die Nachwuchsjuristen sind aber nicht auf eine bestimmte Metropole festgelegt. 88 Prozent würden auch in eine andere der fünf Großstadtregionen ziehen. Das stellt juristische Arbeitgeber in ländlicheren Gegenden vor große Nachwuchssorgen. Arbeitgeber aus unattraktiveren Regionen können junge Juristen durchaus zu einem Umzug bewegen. Aber das kostet: Zwei Drittel der Nachwuchsjuristen lassen sich durch ein höheres Gehalt von einem Umzug überzeugen. 

 

Großkanzleien steigen in der Gunst der Nachwuchsjuristen

Zu den Gewinnern des Jahres unter den Arbeitgebern zählen die Großkanzleien. Sie steigen das zweite Jahr in Folge in der Gunst der Nachwuchsjuristen, nachdem sie zuvor viele Jahre Bewerber an die Wirtschaft und den Öffentlichen Dienst verloren haben. Die beliebteste Kanzlei ist Freshfields Bruckhaus Deringer auf Rang 2 des Arbeitgeberrankings, gefolgt von Hengeler Mueller auf Rang 5. Clifford Chance und Linklaters verbessern sich im Gleichklang von Rang 9 auf Rang 6 des Rankings der Top-Arbeitgeber. Mit Gleiss Lutz und Hogan Lovells schaffen gleich zwei Kanzleien den Wiedereinstieg in die Top 10. Dafür müssen BMW und AUDI weichen. Die einzige Top-10-Kanzlei, die in der Gunst der Nachwuchsjuristen verliert, ist CMS Hasche Sigle, gleichzeitig der Arbeitgeber, der in diesem Jahr am stärksten in der Gunst der Nachwuchsjuristen verliert. Einen bemerkenswerten Aufstieg schafft Kirkland & Ellis im Mittelteil des Rankings. 2012 lag die Kanzlei noch auf Rang 91 der Wunschliste der beliebtesten Arbeitgeber der Nachwuchsjuristen. In diesem Jahr klettert sie bereits auf Rang 41. Die Zahl der potenziellen Bewerber hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verzehnfacht. „Kirkland & Ellis ist ein Paradebeispiel dafür, dass cleveres, strategisch ausgerichtetes Employer Branding funktioniert. Die Kanzlei schafft es mit ihrer Kampagne, kontinuierlich immer mehr Nachwuchsjuristen von ihren Vorzügen als Arbeitgeber zu überzeugen“, so trendence-Geschäftsführer Holger Koch.

 

Referendariat: Drum prüfe, wer sich länger bindet

Egal ob auf dem Land oder in der Stadt: Praktika und Referendariate sind die optimale Gelegenheit für Studierende und Arbeitgeber, sich gegenseitig kennenzulernen und zu prüfen, ob eine Zusammenarbeit auch als Volljurist sinnvoll ist. Ein Viertel der Referendare hat beim jetzigen Arbeitgeber bereits ein Praktikum absolviert. 44 Prozent der Referendare wünschen sich hier auch eine Festanstellung nach der Ausbildung. Doch die Voraussetzungen müssen stimmen: Die Inhalte der Arbeit müssen zu ihren Interessen passen, die Kollegen sollten nett sein und das Unternehmen muss seine Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern zeigen, damit sie als Referendare oder Volljuristen wiederkommen. Wenn die Nachwuchsjuristen nach dem Praktikum oder Referendariat den Arbeitgeber wechseln, dann liegt es vor allem daran, dass sie einen anderen Karriereweg planen, als ihnen ihr aktueller Arbeitgeber bieten kann. 

 

Brain Drain in andere Wirtschaftsbereiche: Zwei Drittel sind offen für einen neuen Job

Zwei Drittel der Volljuristen sind offen für einen neuen Job, 27 Prozent haben sogar sehr konkrete Pläne, den Job zu wechseln. Zwar liegen die Großkanzleien und der Öffentliche Dienst auch bei den Volljuristen auf der Wunschliste der möglichen Arbeitgeber ganz oben, aber die produzierende Wirtschaft wirbt immer mehr Juristen ab. Während nur acht Prozent der Studierenden dort ihr Glück versuchen, sind es unter Volljuristen bereits zwölf Prozent. Die produzierende Wirtschaft liegt damit in der Gunst der Volljuristen fast gleichauf mit kleinen und mittleren Kanzleien. 

 

Legal Tech: Digitale Nachwuchsjuristen für die Zukunftssicherung der Kanzleien

Digitales Know-how wird im Rechtswesen immer wichtiger – Stichwort Legal Tech. Um diesem Trend gerecht zu werden, braucht es Mitarbeiter, die juristisches und digitales Know-how vereinen, kurz: Digitals. Doch Digitals sind knapp. Nur knapp jeder vierte Nachwuchsjurist ist ein Digital, verfügt also über besonders ausgeprägte digitale Kompetenzen, die über eine tägliche Smartphone-Nutzung hinausgehen. Es ist aber nicht nur das digitale Know-how, das diese Zielgruppe so attraktiv für Kanzleien macht: Digitals zeigen mehr soziales oder politisches Engagement und haben mehr Praxiserfahrung als andere Nachwuchsjuristen. Sie sind leistungsbereiter und belastbarer und wollen anderthalbmal häufiger Partner werden. Gerade in Zeiten, in denen eine Partnerschaft nur für jeden fünften Volljuristen infrage kommt, sind die Digitals doppelt wichtig für die Zukunftssicherung der Kanzleien.

 

Über die Studie

Das trendence Graduate Barometer ist eine repräsentative Studie unter 52.000 Studierenden in Deutschland über ihre Wunscharbeitgeber und Karrierepläne. Die Daten wertet trendence nach Fächergruppen aus. Die Rankings der beliebtesten Arbeitgeber zeigen ein Stimmungsbild der Absolventen und ihre Präferenzen bei der Arbeitgeberwahl. Sie sind ein Indikator dafür, welche Arbeitgeber und Branchen mit zunehmendem Fachkräftemangel zu kämpfen haben und welche Branchen aus einem vollen Pool an Bewerbern schöpfen und die für sie passenden Talente herausfiltern können. In der vorliegenden Auswertung sind die Antworten der 2.200 Juristen berücksichtigt, die in diesem Jahr am trendence Graduate Barometer teilgenommen haben. Erste Ergebnisse der Law Edition der Studie sind heute in der JuS erschienen.

 

Das Ranking

 

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