Das fordern Schüler_innen.

Hallo.

Was erwarten Schüler_innen bei einem Arbeitgeber? Worauf legen sie großen Wert und was ist ihnen weniger wichtig?

Insgesamt spielen 2018 Faktoren wie nette Kolleg_innen und ein fairer Bewerbungsprozess eine sehr wichtige Rolle. Sie haben im Vergleich zu den Vorjahren sogar weiter an Wichtigkeit gewonnen. Aber auch gute Karriereperspektiven sind in den letzten zwei Jahren auf der Prioritätenliste von Schüler_innen gestiegen und rangieren insgesamt auf Platz 3. Mit Blick auf die Ausbildung wollen Schüler_innen weiterhin eine gute Betreuung während ihrer Ausbildungszeit, gute Übernahmechancen im Unternehmen und gute Vorgesetzte.

Aber wie sieht es am anderen Ende der Liste aus? Was ist ihnen gar nicht wichtig? Hier sehen wir 2018 für viele vielleicht überraschende Ergebnisse: Demnach bewerten am wenigsten Schüler_innen die Faktoren soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen, ihre Innovationskraft und ein internationales Umfeld als sehr wichtig.

Mit genauerem Blick auf die Daten werden wir aber noch sehen, dass sich das Bild ändert, wenn wir einzelne Untergruppen der Schüler_innen genauer betrachten. Denn wenn wir sie nach angestrebtem Abschluss, ihrem Geschlecht, ihrem digitalen Know-how oder anderen Faktoren ordnen, sieht es schon anders aus.

Warum es so wichtig ist, hier zu differenzieren? Es ist auch die Frage nach der besten Ansprache von potenziellen Auszubildenden. Was wollen sie in Stellenanzeigen lesen? Worauf sollten Unternehmen bei Karriereseiten oder Social-Media-Auftritten achten? Die vorliegenden Daten erlauben es, passende Antworten auf diese und viele weitere Fragen zu finden. Unternehmen, die Antworten auf all die oben genannten Fragen finden, haben bessere Chancen, neue Arbeitskräfte für sich zu gewinnen und früh an sich zu binden.

Robrindo Ullah
HR-Strategist der Absolventa GmbH & Geschäftsführer der Trendence Institut GmbH

Die 5 Top-Ergebnisse.

65 % der zukünftigen Auszubildenden wollen nette Kolleg_innen, 60,4 Prozent der Schüler_innen mit dem Wunsch zu studieren, wollen gute Karriereaussichten.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der Bildungsweg, den Schüler_innen nach Schulabschluss einschlagen wollen. Schüler_innen, die eine Ausbildung anstreben, legen überdurchschnittlich großen Wert auf nette Kolleg_innen. Bei Schüler_innen, die studieren wollen, stehen gute Karriereperspektiven an erster Stelle. Wer ein duales Studium anstrebt, legt am meisten Wert auf gute Karriereperspektiven und nette Kolleg_innen. Ein fairer Bewerbungsprozess landet bei allen auf dem zweiten Platz in der Prioritätenliste.

57,8 Prozent der Mädchen erwarten nette Kolleg_innen in einem Unternehmen, bei Jungs sind es mit 58,7 Prozent sogar noch etwas mehr.

Gleich dahinter folgen für Jungen mit 56,2 Prozent gute Karriereperspektiven in einem Unternehmen. Bei den Mädchen sind es fünf Prozent weniger. Das Klischee stimmt also nicht. In über der Hälfte der Erwartungen gegenüber Arbeitgebern sind sich junge Frauen und Männer sehr ähnlich. Wer gezielt junge Männer oder junge Frauen ansprechen will, sollte auf dennoch auf einige Unterschiede achten:

Jungen wollen in Unternehmen arbeiten, die erfolgreich und innovativ sind, ihnen ein hohes Ausbildungsgehalt sowie Vorteile neben dem Gehalt bieten und die an einem attraktiven Standort gelegen sind.

Mädchen legen im Vergleich zu Jungen einen höheren Wert auf einen fairen Bewerbungsprozess, eine gute Betreuung während der Ausbildung und darauf, dass ein Unternehmen soziale und ökologische Verantwortung trägt.

Soziale und ökologische Verantwortung liegt mit 19,1 Prozent auf einem der letzten Ränge bei den Erwartungen der Schüler_innen an Unternehmen.

Je besser der Notendurchschnitt, desto höher sind hier die Werte. Auch im Vergleich der Geschlechter sieht man leichte Unterschiede. Hier sind es die Mädchen, denen dieser Punkt überdurchschnittlich wichtiger ist als den Jungen.

In den neuen Bundesländern steht ein fairer Bewerbungsprozess mit 60 bis 67 Prozent Zustimmung ganz oben auf der Liste.

In den anderen Ländern legen Schüler_innen mehr Wert auf nette Kolleg_innen und gute Karriereperspektiven.

Nur knapp 25 Prozent der Digitals legen Wert auf ein hohes Ausbildungsgehalt.

Sehr viel wichtiger sind ihnen Karriereperspektiven, spannende Aufgaben und selbstständiges Arbeiten.

These 1: Bildungswege bestimmen Erwartungen an Ausbildung und Arbeitgeber.

Schüler_innen ticken nicht alle gleich. Ob man eine Ausbildung anstrebt oder ein Hochschulstudium, geht oft mit anderen Einstellungen gegenüber dem Thema Arbeit einher.

Alle Schüler_innen wollen nette Kolleg_innen, einen fairen Bewerbungsprozess und gute Karriereperspektiven. Diese drei Aussagen gelten zwar für die Gesamtgruppe, nicht aber für alle Schüler_innen in gleichem Maße. Wie sie priorisiert und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt auch mit dem angestrebten Bildungsweg zusammen.

Etwas mehr als die Hälfte der Schüler_innen wollen nach der Schule eine Berufsausbildung anfangen, ein Drittel ein Hochschulstudium und die restlichen 17 Prozent zieht es an Berufsakademien oder ins duale Studium.

Welche Bildungswege streben Schüler_innen an?

Bildungsweg Prozent
Berufsausbildung 52,3 %
Hochschulstudium 30,3 %
Duales Studium/Berufsakademie 17,3 %

Ziel: Berufsausbildung.

Schüler_innen, die eine Ausbildung anstreben, legen überdurchschnittlich großen Wert auf nette Kolleg_innen. Gleich wichtig sind ihnen ein fairer Bewerbungsprozess und eine gute Betreuung während der Ausbildung. Fast genauso viel Wert legen sie aber auch darauf, nach der Ausbildung vom Unternehmen übernommen zu werden. Grundlegend gesagt: Sie wollen ein angenehmes Arbeitsklima, in dem sie an die Hand genommen werden und ihnen eine Übernahme im Ausbildungsbetrieb in Aussicht gestellt wird. Unternehmen, die diese Punkte bieten können, haben große Vorteile gegenüber anderen Betrieben – wenn sie diese auch kommunizieren.

Was die wenigsten der zukünftigen Auszubildenden als sehr wichtig erachten: Unternehmen, die sich als innovativ darstellen, die soziale und ökologische Verantwortung übernehmen sowie ein internationales Umfeld bereitstellen.

Ziel: Studium.

Bei Schüler_innen, die studieren wollen, sieht das schon etwas anders aus. Bei ihnen stehen gute Karriereperspektiven an erster Stelle. Wie bei ihren Mitschüler_innen schafft es auch bei ihnen der faire Bewerbungsprozess auf den zweiten Platz. Gleich dahinter jedoch rangieren spannende Aufgaben. Ihnen ist es weniger wichtig, Struktur vorgegeben zu bekommen, sie sind auf der Suche nach einem Job, in dem sie immer wieder gefordert sind und sich frei entfalten können. Aber auch das soll im besten Fall in einem guten Arbeitsklima geschehen – der Wunsch nach netten Kolleg_innen landet auf dem vierten Platz.

Am unwichtigsten ist den angehenden Studierenden, dass Unternehmen innovativ oder erfolgreich sind und dass es neben dem Gehalt weitere Vorteile gibt. Im Gegensatz zu ihren Mitschüler_innen sind ihnen aber ein internationales Umfeld und die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen überdurchschnittlich wichtig.

Ziel: Duales Studium/Berufsakademie.

Wer ein Duales Studium anstrebt, ist wie eine Art Zwischenform der zukünftigen Auszubildenden und Schüler_innen, die ein Hochschulstudium anstreben. Unternehmen können sie am besten ansprechen, indem sie auf gute Karriereperspektiven, einen fairen Bewerbungsprozess und nette Kolleg_innen hinweisen. Das andere Ende der Prioritätenliste deckt sich mit dem der Schüler_innen, die eine Ausbildung machen wollen.

Wo sind sich alle Schüler_innen einig?

Egal, welchen Bildungsweg sie einschlagen wollen, ein fairer Bewerbungsprozess landet bei allen auf dem zweiten Platz in der Prioritätenliste. Dieser Punkt wird bei den regionalen Unterschieden in These 4 ausführlicher besprochen.

Welche Erwartungen haben Schüler_innen bezogen auf ihren angestrebten Bildungsweg an Unternehmen?

Erwartungen Total Berufsausbildung Studium Duales Studium, Berufsakademie
Nette Kolleg_innen 58,3 % 65,0 % 49,6 % 53,8 %
Fairer Bewerbungsprozess 57,8 % 58,8 % 55,7 % 60,2 %
Gute Karriereperspektiven 53,7 % 47,0 % 60,4 % 61,3 %
Gute Betreuung während der Ausbildung 53,5 % 58,8 % 47,3 % 50,0 %
Gute Übernahmechancen nach der Ausbildung 51,3 % 55,7 % 43,1 % 52,1 %
Gute Vorgesetzte 49,3 % 52,4 % 44,8 % 47,0 %
Spannende Aufgaben 47,3 % 44,3 % 52,4 % 47,9 %
Genug Zeit nach der Arbeit 39,2 % 40,8 % 37,7 % 38,2 %
Selbstständiges Arbeiten 31,0 % 30,8 % 32,8 % 28,3 %
Hohes Ausbildungsgehalt 24,1 % 25,0 % 22,5 % 23,0 %
Attraktiver Standort 23,7 % 24,2 % 23,2 % 23,0 %
Erfolgreiches Unternehmen 22,7 % 22,6 % 22,8 % 21,4 %
Interessante Produkte oder Dienstleistungen 22,4 % 21,8 % 23,1 % 22,1 %
Vorteile neben dem Gehalt 20,6 % 23,8 % 16,4 % 18,1 %
Sozial und ökologisch verantwortungsvolles Unternehmen 19,1 % 17,1 % 23,2 % 17,8 %
Innovatives Unternehmen 18,6 % 17,6 % 19,8 % 19,0 %
Internationales Umfeld 18,0 % 13,4 % 23,4 % 21,5 %

Weitere Unterschiede gibt es, wenn man die Ergebnisse nach Geschlecht betrachtet. Das beginnt bei den unterschiedlichen Bildungswegen, die Jungen und Mädchen einschlagen. Der Anteil an Jungen, die eine Ausbildung machen wollen, ist um knapp 10 Prozent höher als bei den Mädchen. Dementsprechend mehr junge Frauen streben ein Hochschulstudium oder ein duales Studium an.

Angestrebter Bildungsweg nach Schulabschluss: Jungen.

angestrebter Bildungsweg Prozent
Berufsausbildung 57,3 %
Hochschulstudium 27,4 %
Duales Studium/Berufsakademie 15,3 %

Angestrebter Bildungsweg nach Schulabschluss: Mädchen.

angestrebter Bildungsweg
Berufsausbildung 47,4 %
Hochschulstudium 33,3 %
Duales Studium/Berufsakademie 19,4 %

These 2: Mädchen wollen nette Kolleg_innen, Jungen wollen Karriere.

Mit Blick auf die Daten kann das Klischee der großen Geschlechterunterschiede nicht bestätigt werden. In über der Hälfte der Erwartungen gegenüber Arbeitgebern sind sich junge Frauen und Männer sehr ähnlich. Nennenswerte Unterschiede gibt es eher bei Erwartungen, die den Schüler_innen insgesamt weniger wichtig sind.

Jungen genauso wie Mädchen erwarten nette Kolleg_innen in der Ausbildung und im Arbeitsleben, bei den Jungen ist der Wert sogar minimal höher (0,9 Prozent). Gute Aufstiegschancen als Grundstein für eine Karriere wollen immerhin 5 Prozent mehr Jungen als Mädchen. Für die Mädchen steht eher ein fairer Bewerbungsprozess im Vordergrund.

Welche drei Faktoren bei der Arbeitgeberwahl sind Mädchen und Jungen am wichtigsten?

Erwartung Mädchen Jungen
Fairer Bewerbungsprozess 60,2 % 55,4 %
Nette Kolleg_innen 57,8 % 58,7 %
Gute Karriereperspektiven 51,2 % 56,2 %

Weitere Erwartungen, die von Mädchen wie Jungen sehr häufig genannt werden, sind:

  • Gute Betreuung während der Ausbildung
  • Gute Übernahmechancen nach der Ausbildung
  • Gute Vorgesetzte
  • Spannende Aufgaben

Hier ähneln sich die Erwartungshaltungen sehr. Die wirklichen Differenzen zwischen Mädchen und Jungen fangen bei den weniger wichtigen Erwartungen an. Mädchen ist sehr viel weniger wichtig, ob ein Unternehmen sehr erfolgreich oder innovativ ist. Auch ein hohes Ausbildungsgehalt und weitere Vorteile neben dem Gehalt sind ihnen weniger wichtig. Sitzt der Arbeitgeber an einem attraktiven Standort? Auch darauf legen Jungen etwas mehr Wert als Mädchen.

Im Umkehrschluss heißt das, dass Jungen im Vergleich zu Mädchen wichtiger ist, dass sie in einem erfolgreichen, innovativen Unternehmen arbeiten, ein hohes Ausbildungsgehalt und Vorteile neben dem Gehalt bekommen sowie einen Arbeitgeber, der an einem attraktiven Standort sitzt.

Wo liegen die größten Abweichungen zwischen Jungen und Mädchen?

Erwartung Mädchen Jungen Unterschied
Erfolgreiches Unternehmen 16,3 % 29,1 % 12,8 %
Innovatives Unternehmen 13,1 % 23,9 % 10,8 %
Vorteile neben dem Gehalt 16,2 % 25,0 % 8,8 %
Hohes Ausbildungsgehalt 20,1 % 28,1 % 8,0 %
Attraktiver Standort 20,5 % 26,9 % 6,4 %
Fairer Bewerbungsprozess 60,2 % 55,4 % 4,8 %
Soziale und ökologische Verantwortung 21,3 % 17,0 % 4,3 %
Gute Betreuung während der Ausbildung 55,1 % 52 % 3,1 %

Was ist Mädchen wichtiger?

Es gibt drei Punkte, die Mädchen wichtiger sind als Jungs. Dazu zählt, dass es einen fairen Bewerbungsprozess gibt, dass sie während der Ausbildung gut betreut werden und dass ein Unternehmen soziale und ökologische Verantwortung trägt.

These 3: Schüler_innen fordern soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen.

Im Angesicht der derzeitigen politischen Aktivität von Schüler_innen in ganz Deutschland, die im Rahmen der Fridays for Future für eine Kehrtwende in der Klimapolitik auf die Straße gehen, lohnt es sich auch danach zu schauen, wie hoch die Erwartungen nach sozialer und ökologischer Verantwortung an Unternehmen 2018 waren.

Insgesamt 19,1 Prozent der Schüler_innen geben an, dass soziale und ökologische Verantwortung in Bezug auf ihren zukünftigen Job sehr wichtig sind. Damit rangiert dieser Punkt auf einem der letzten Plätze auf der Prioritätenliste bei der Jobsuche.

Wenn man genauer in die einzelnen Gruppen hineinschaut, erkennt man leichte Schwankungen zum Beispiel beim angestrebten Bildungsweg: angehenden Hochschulstudierenden ist das Thema wichtiger als denen, die eine Ausbildung oder ein duales Studium anstreben.

Auch das Geschlecht spielt hier eine Rolle. Wie bereits erwähnt, ist es jungen Frauen wichtiger, in einem Unternehmen mit sozialer und ökologischer Verantwortung zu arbeiten, als jungen Männern.

Der mit Abstand wichtigste Faktor für Verantwortung als Erwartungshaltung an Unternehmen ist der Notendurchschnitt. Bei Schüler_innen mit Noten, die besser als 1,6 sind, steigt auch der Anspruch an Unternehmen, sozial und ökologisch verantwortlich zu handeln, auf 26,9 Prozent. Je schlechter der Notendurchschnitt ist, desto weiter sinkt dieser Wert bis auf den über alle Faktoren hinweg schlechtesten Wert von 14,2 Prozent.

Welche Rolle spielt der Notendurchschnitt beim Faktor soziale und ökologische Verantwortung?

Notendurchschnitt Prozent
Besser als 1,6 26,9 %
1,6 bis 2,5 19,7 %
2,6 bis 3,5 18,0 %
Zwischen 3,6 und 4,5 14,2 %

Wie es aussieht, sind die Unternehmen fein raus. Der Anteil an Schüler_innen, die von Unternehmen erwarten, dass sie soziale und ökologische Verantwortung übernehmen, ist auch in den letzten Jahren nicht sonderlich gestiegen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass sie viel mehr die Politik und sich selbst in der Verantwortung sehen, gesellschaftliche und ökologische Missstände anzugehen. Oder, dass sie es vielen (insbesondere kleineren) Unternehmen nicht zutrauen, Veränderungen anzustoßen.

Im Angesicht der immer stärker werden ökologischen Bewegung könnte sich dies aber ändern. Es bleibt abzuwarten, ob sich der kulturelle Wandel dann auch in den Erwartungen der Schüler_innen an Unternehmen niederschlägt.

These 4: Erwartungen an Unternehmen unterscheiden sich je nach Bundesland.

Für die Analyse der Erwartungen von Schüler_innen spielen aber nicht nur der angestrebte Bildungsweg und das Geschlecht eine wichtige Rolle. Der Blick in die Daten für die verschiedenen Bundesländer zeigt, dass es auch regionale Unterschiede gibt.

Liegt es an der je nach Bundesland unterschiedlichen Wirtschaftskraft und den daraus folgenden sozialen Faktoren? An der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen? Liegt es an den unterschiedlichen Einkommen der Familien? Fakt ist, dass die Herkunft im Bundesgebiet auch die Erwartungen der Schüler_innen an Unternehmen mitbestimmt.

Welche Unterschiede in den Erwartungen an Unternehmen gibt es zwischen den Bundesländern?

Bundesland Nette Kolleg_innen Fairer Bewerbungsprozess Gute Betreuung während der Ausbildung
Saarland 62,6 % 57,5 % 55,6 %
Brandenburg 61,6 % 62,5 % 60,0 %
Meckl.-Vorpommern 61,0 % 67,2 % 55,6 %
Baden-Württemberg 60,6 % 56,1 % 54,4 %
Hessen 60,3 % 59,5 % 55,5 %
Rheinland-Pfalz 59,6 % 57,1 % 57,3 %
Schleswig-Holstein 59,3 % 61,0 % 54,9 %
Berlin 59,1 % 56,8 % 49,5 %
Nordrhein-Westfalen 58,9 % 57,8 % 53,4 %
Niedersachsen 58,2 % 59,4 % 53,0 %
Thüringen 57,1 % 67,2 % 59,0 %
Sachsen 56,1 % 65,9 % 54,1 %
Bayern 54,9 % 53,4 % 50,1 %
Sachsen-Anhalt 53,8 % 61,4 % 53,0 %
Hamburg 51,5 % 45,7 46,0 %
Bremen 44,3 % 57,2 % 60,0 %

Fairness im Bewerbungsprozess erwünscht.

Mit Blick auf die Deutschlandkarte fällt auf, dass sich insbesondere Schüler_innen aus den neuen Bundesländern Sorgen um einen fairen Bewerbungsprozess machen. Von Thüringen bis Schleswig-Holstein liegt diese Erwartung an zukünftige Arbeitgeber auf dem ersten Platz. Hier scheint es ein Bewusstsein für Diskriminierungen und weit verbreitete Unsicherheiten zu geben, was die Vergabe von Arbeitsplätzen angeht. Dies könnte in der niedrigeren Anzahl von verfügbaren Arbeitsplätzen in strukturschwachen Regionen begründet sein oder in der Angst der Eltern vor Arbeitslosigkeit, die sich auch bei den Kindern zeigt.

Bereits beim Geschlechtervergleich haben wir gesehen, dass Mädchen einen fairen Bewerbungsprozess als wichtiger empfinden als Jungen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie die Angst, bei einer Bewerbung benachteiligt zu werden, aus ihrem familiären Umfeld kennengelernt oder von der Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt über die Schule, das Internet oder andere Medien erfahren haben. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie glaubwürdig Chancengleichheit kommunizieren und selbstverständlich auch praktizieren sollten, um mehr junge Frauen dazu zu bringen, sich zu bewerben.

Wie wichtig ist Schüler_innen in den einzelnen Bundesländern, dass es einen fairen Bewerbungsprozess gibt?

Bundesland Fairer Bewerbungsprozess
Thüringen 67,2 %
Meckl.-Vorpommern 67,2 %
Sachsen 65,9 %
Brandenburg 62,5 %
Sachsen-Anhalt 61,4 %
Schleswig-Holstein 61,0 %
Hessen 59,5 %
Niedersachsen 59,4 %
Nordrhein-Westfalen 57,8 %
Saarland 57,5 %
Bremen 57,2 %
Rheinland-Pfalz 57,1 %
Berlin 56,8 %
Baden-Württemberg 56,1 %
Bayern 53,4 %
Hamburg 45,7 %

These 5: Digitale Talente kann man nur mit hohen Gehältern locken.

Digitalisierung bringt neue Technologien, Arbeitsweisen und Kommunikationskanäle in die Unternehmen. Junge Menschen mit digitalen Fähigkeiten, die neue Technologien schnell für sich entdecken und ein digitales Mindset haben, werden so immer begehrter für Unternehmen.

Bevor wir uns aber ansehen, welche Erwartungen an Unternehmen diese Gruppe im Gegensatz zum Durchschnitt hat, soll vorher geklärt werden, was genau digitale Kompetenz ausmacht.

Wer sind Digitals?

In der Studie sind besondere digitalen Fähigkeiten von Schüler_innen folgendermaßen definiert:

  • Benutzen Clouddienste (z. B. Dropbox, Google Drive, iCloud)
  • Besitzen ein Wearable (z. B. Smartwatch, Activity Tracker)
  • Betreiben einen eigenen Blog
  • Haben bereits ein Online-Tutorial zur Unterrichtsvorbereitung genutzt
  • Haben bereits ein Video digital bearbeitet
  • Haben bereits eine Website entworfen und/oder erstellt
  • Können Geräte wie einen Drucker oder Scanner installieren
  • Pflegen eine öffentliche Facebookseite (z. B. eines Sportvereins)
  • Pflegen einen Videochannel.

Wer mindestens fünf dieser neun Kriterien erfüllt, wird der Gruppe der Digitals zugeordnet. Der Anteil an Digitals an der gesamten Schüler_innenschaft beträgt 15,9 Prozent. Der Anteil an Jungen ist hier mit 68,5 Prozent erhöht. Digitals streben im Vergleich zu Non-Digitals überdurchschnittlich häufig ein Hochschulstudium an. Dementsprechend wenige wollen eine Berufsausbildung anfangen.

Wie hoch ist der Anteil von Digitals und Non-Digitals an der Schüler_innenschaft?

Gruppe Prozent
Digitals 15,9 %
Non-Digitals 84,1 %

Welche Bildungswege streben Digitals an?

angestrebter Bildungsweg Prozent
Berufsausbildung 37,5 %
Hochschulstudium 40,8 %
Duales Studium/Berufsakademie 21,7 %

Welche Bildungswege streben Non-Digitals an?

angestrebter Bildungsweg Prozent
Berufsausbildung 52,3 %
Hochschulstudium 30,4 %
Duales Studium/Berufsakademie 17,2 %

Schüler_innen mit vielen Kompetenzen in der digitalen Welt stellen sich ihre berufliche Zukunft anders vor als weniger digitale. Allgemein überschneidet sich das Profil der Top-3-Erwartungen mit denen aller Schüler_innen, die ein Studium anstreben. Abweichungen gibt es aber bei Erwartungen, die für viele insgesamt weniger wichtig sind.

Die größten Unterschiede gibt es beim Blick auf die Innovationskraft von Unternehmen und bei der beruflichen Karriere. Bei den Digitals legen 10 Prozent mehr Wert auf gute Karriereperspektiven und darauf, bei einem innovativen Unternehmen zu arbeiten. Gleich dahinter kommen interessante Produkte und Dienstleistungen und dass das Unternehmen erfolgreich ist. Aber auch die Art zu arbeiten, also spannenden Aufgaben und eine selbstständige Arbeitsweise, spielt für sie eine wichtige Rolle.

Wie unterscheiden sich Digitals und Non-Digitals in der Arbeitgeberwahl?

Erwartung Digitals Non-Digitals Unterschied
Gute Karriereperspektiven 63,1 % 53,1 % 10,0 %
Innovatives Unternehmen 27,0 % 17,6 % 9,4 %
Interessante Produkte oder Dienstleistungen 29,2 % 21,4 % 7,8 %
Erfolgreiches Unternehmen 28,8 % 21,5 % 7,3 %
Spannende Aufgaben 53,8 % 46,9 % 6,9 %
Selbstständiges Arbeiten 36,4 % 30,3 % 6,1 %
Internationales Umfeld 23,6 % 17,7 % 5,9 %
Attraktiver Standort 27,8 % 23,1 % 4,7 %
Hohes Ausbildungsgehalt 25,5 % 23,6 % 1,9 %

Wie wir an der Prioritätenliste sehen, gibt es beim Ausbildungsgehalt keinen nennenswerten Unterschied zu Non-Digitals. Anstatt eines hohen Gehalts, legen sie sehr viel mehr Wert auf andere Faktoren, die ihnen Raum für Selbstverwirklichung und eine spannende Arbeit mit interessanten Produkten bieten. Natürlich sollten Aufstiegschancen gegeben sein, aber es ist nicht das Geld, dass Digitals zu Unternehmen zieht.

Profil der Befragten.

Anzahl Teilnehmende.

Knapp 19.502 Schüler_innen haben an der Befragung teilgenommen.

Geschlechterverteilung.

Dabei gab es mit 50,2 Prozent knapp mehr männliche als weibliche Teilnehmende.

Alter.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden ist 16,7 Jahre.

In welcher Klasse bist du?

Jahrgangsstufe Anzahl in Prozent
7. Klasse 3,0 %
8. Klasse 8,9 %
9. Klasse 28,9 %
10. Klasse 30,8 %
11. Klasse 15,4 %
12. Klasse 11,5 %
13. Klasse 1,4 %

Wohnort.

Die meisten Befragten kommen mit 25,2 Prozent aus Nordrhein-Westfalen. Mit etwas Abstand folgen Bayern und Baden-Württemberg. Auch Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz waren ebenfalls starke Bundesländer.

In welchem Bundesland wohnst du?

Bundesland Anzahl in Prozent
Nordrhein-Westfalen 25,2 %
Bayern 15,8 %
Baden-Württemberg 13,9 %
Niedersachsen 9,9 %
Hessen 7,5 %
Rheinland-Pfalz 5,3 %
Schleswig-Holstein 4,6 %
Sachsen 3,3 %
Berlin 3,3 %
Brandenburg 2,4 %
Thüringen 1,9 %
Sachsen-Anhalt 1,9 %
Hamburg 1,9 %
Meckl.-Vorpommern 1,4 %
Saarland 1,1 %
Bremen 0,8 %

Auf welchen Schulabschluss arbeitest du hin?

Aktuell angestrebter Abschluss Anzahl in Prozent
Abitur 35,6 %
Realschulabschluss, Mittlere Reife 43,2 %
Hauptschulabschluss 12,5 %
Fachhochschulreife 8,7 %

Durchführung der Studie.

Die Feldphase für die Studie lief von Februar bis Juni 2018. Bundesweit wurden knapp 19.500 Schüler_innen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen der Klassen 8-13 befragt.
Die Schüler_innen wurden per Brief zur Befragung mit individuellem Passwort eingeladen und füllten damit einen Onlinefragebogen aus. Am 22.07.2018 wurde das Schülerbarometer veröffentlicht.

Zitierangaben

Quelle: Ullah, Robrindo | „Das fordern Schüler_innen.“ | auf: Website der Trendence Institut GmbH 26.6.2019 | URL: www.trendence.com/reports/arbeitsmarkt/forderungen-schueler-unternehmen.

Ein kurzer Hinweis zu den Daten.

Bei der Frage nach den Erwartungen an Arbeitgeber wurden vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Die 4er-Skala bestand aus den Antwortmöglichkeiten unwichtig, weniger wichtig, wichtig und sehr wichtig. Die Prozentangaben in den Grafiken spiegeln jedoch nur die Antwort „sehr wichtig“ wider. Das heißt, immer wenn davon die Rede ist, dass 10 Prozent der Befragten etwas weniger wichtig oder unwichtig fanden, ist damit genau genommen nur gemeint, dass 10 Prozent den genannten Faktor als „sehr wichtig“ bewertet haben.

Über die Trendence Institut GmbH.

Die Trendence Institut GmbH ist ein unabhängiges Beratungs- und Marktforschungsunternehmen und steht seit 20 Jahren für data-driven Employer Branding. Trendence kennt die Karrierepläne und Wunscharbeitgeber von jungen Bewerber_innen und hilft Arbeitgebern dabei, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu verstehen. So unterstützt Trendence Arbeitgeber mit seinen Daten und Insights bei anstehenden strategischen und operativen Entscheidungen im Bereich Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting.

Große Aufmerksamkeit erfahren die Barometerstudien und Arbeitgeber-Rankings: Jedes Jahr ermittelt Trendence in den Barometerstudien mit mehr als 90.000 Schüler_innen, Studierenden und Young Professionals die Rankings der 100 attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands. Die daraus resultierenden Siegel helfen Arbeitgebern dabei, mit ihrer Ranking-Position ins Blickfeld der Bewerber_innen zu rücken und geben Berufseinsteigenden Orientierung bei der Jobwahl. Daneben führen sie auch Auftragsstudien durch. Abhängig von der Zieldefinition wählen sie dann die entsprechende Studienmethode: von quantitativen Online-Befragungen über Fokusgruppen bis hin zu Tiefeninterviews.

Komplettiert wird das Angebot durch die Auszeichnungen für faire Arbeitgeber für Fachkräfte sowie karrierefördernde Trainee- und Ausbildungsprogramme. Die Zertifizierung beruht auf einem Audit, das die Programme hinsichtlich definierter Qualitätskriterien prüft. Diese werden zusammen mit Vertreter_innen aus der Wissenschaft entwickelt – zum Beispiel mit Prof. Dr. Ingo Weller vom Institut für Personalwirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München oder Prof. Dr. Anja Seng, Professorin für BWL mit Schwerpunkt Personalmanagement, an der Hochschule für Ökonomie & Management (FOM).

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