Wie wichtig ist CSR?

Hallo.

Worauf achten Studierende bei der Auswahl eines Arbeitgebers besonders? Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen klassisch beliebte Faktoren wie ein faires Gehalt, die Wertschätzung der Mitarbeitenden und eine gute Work-Life-Balance.

Wie aber sieht es mit einem anderes Aspekt aus: unternehmerische Verantwortung? Fordern Studierende Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung von Unternehmen ein? Und wenn ja, wie stark ist dieser Faktor bei der Arbeitgeberwahl?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir Daten von rund 55.000 Studierenden, die nahe an ihrem Abschluss sind, analysiert. Im Mittelpunkt stehen hierbei Absolvent_innen aus der Fächergruppen Informatik sowie aus den Wirtschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Als zukünftige Fachkräfte sind sie am interessantesten für den Arbeitsmarkt.

In diesen vier Gruppen bewerten fast 50 Prozent der Studierenden den Faktor verantwortungsvolles Wirtschaften als wichtig. 19 bis 26 Prozent empfinden das Thema sogar als sehr wichtig. Dass es ihnen vollkommen unwichtig ist, sagen nur sieben bis zehn Prozent der Befragten.

Im Trend-Report werfen wir einen genaueren Blick auf die Fächergruppen und wollen herausfinden, welche weiteren Eigenschaften wie Geschlecht, der angestrebte Abschluss oder das Leistungsniveau für die Forderung nach Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung die Wahl des Arbeitgebers bestimmen.

Robrindo Ullah
HR-Strategist der Absolventa GmbH & Geschäftsführer der Trendence Institut GmbH

Die 6 Top-Ergebnisse.

26,3 Prozent der Naturwissenschaftler_innen sehen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als sehr wichtig an.

Dagegen ist die Auswahl eines Arbeitgebers für nur knapp 19 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler_innen und Informatiker_innen ein ausschlaggebender Faktor.

Unternehmerische Verantwortung wird um 35 Prozentpunkte weniger wichtig eingestuft, als beliebte andere Kriterien.

Im Vergleich zu Faktoren wie einem fairen Gehalt, Karriereperspektiven und einer guten Work-Life-Balancen spielt der Faktor unternehmerische Verantwortung eine weniger wichtige Rolle.

Im Gegensatz zu Ingenieuren empfinden um 7,6 Prozentpunkte mehr Ingenieurinnen unternehmerische Verantwortung als sehr wichtig bei der Auswahl eines Arbeitgebers.

Aber nicht nur dort, sondern in allen betrachteten Fächergruppen haben Frauen höhere Werte bei der Nachhaltigkeit als Männer. Mit 4 Prozentpunkten am geringsten ist der Unterschied in den Wirtschaftswissenschaften. In den Naturwissenschaften kommen die Frauen mit 28,3 Prozent auf den höchsten Wert im Geschlechtervergleich.

Mit höherem Studienabschluss sinkt die Wichtigkeit von nachhaltigem Unternehmertum bei der Arbeitgeberwahl leicht.

Mit -5,2 Prozentpunkten ist der Unterschied bei den Naturwissenschaften am größten. Um diesen Wert sinkt der Faktor Nachhaltigkeit auf der Prioritätenliste im Vergleich zwischen Bachelor- und Masterstudierenden. Auch in den Wirtschaftswissenschaften ist der Trend zu erkennen. Bei den Ingenieur_innen und Informatiker_innen bleiben die Werte dagegen fast gleich.

Digitales Mindset hat kaum Auswirkungen auf den Faktor Nachhaltigkeit bei der Arbeitgeberwahl.

Die Abweichungen vom Durchschnitt liegen bei digitalen Talenten bei einem Prozentpunkt unter dem Durchschnitt aller Befragten. Nur in den Naturwissenschaften ist ein leicht positiver Trend von 1,9 Prozentpunkten zu erkennen.

High Potentials: Unter den Besten der Besten in den Wirtschaftswissenschaften geben 10,1 Prozentpunkte mehr Frauen an, dass ihnen unternehmerische Verantwortung sehr wichtig ist.

Bachelor oder Master? High-Potential-Frauen mit einem Masterabschluss in den Wirtschaftswissenschaften haben den höchsten Wert. Direkt dahinter liegen High-Potential-Männer, die ihren Bachelor in Ingenieurwissenschaften machen. Ihre Kommilitoninnen in den Naturwissenschaften mit einem Master kommen auf den niedrigsten Wert.

Der Überblick.

Viele Schüler_innen und Studierende stellen sich den gesellschaftlichen Problemen und versuchen, immer nachhaltiger zu leben. Aber wie genau äußert sich das bei Studierenden aus den Wirtschaftswissenschaften, der IT und den Ingenieur- und den Naturwissenschaften?

Begriffsklärung: Was bedeutet Corporate Social Responsibility? Unternehmen müssen gut wirtschaften, also Gewinne erzielen, um erfolgreich zu sein – so das weit verbreitete und lange geltende Verständnis. Es ist jedoch mehr und mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt, dass Unternehmen auch Teil vieler Probleme werden können, die uns heute beschäftigen. Dazu gehören der Klimawandel und die Umweltverschmutzung, aber auch die Vernachlässigung von Sicherheitsstandards in Produktionsstätten, die Ausbeutung von Mitarbeitenden oder sogar die Verletzung von Menschenrechten. Sie sind mächtige gesellschaftliche Akteure, die zum Teil starken Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung ausüben können.

Hier kommt Corporate Social Responsibility ins Spiel – oder einfach gesagt: „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“.*

Es gibt viele Erklärungen und Analysemodelle für Corporate Social Responsibility. Was aber wohl am wichtigsten ist: Nachhaltig und sozial verantwortlich zu handeln, ist für Unternehmen zu einer Art Legitimationsgrundlage des Wirtschaftens in der Gesellschaft und der öffentlichen Meinung geworden.

*COMMUNICATION FROM THE COMMISSION TO THE EUROPEAN PARLIAMENT, THE COUNCIL, THE EUROPEAN ECONOMIC AND SOCIAL COMMITTEE AND THE COMMITTEE OF THE REGIONS, Brussels 2011.

Wie wichtig ist Studierenden der Aspekt Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung bei der Auswahl eines Arbeitgebers?

Skala unwichtig weniger wichtig wichtig sehr wichtig
Wirtschaftswissenschaften 8,40% 26,60% 46,30% 18,80%
Ingenieurwissenschaften 7,10% 22,70% 48,70% 21,60%
Informatik 9,80% 25,90% 45,30% 19,00%
Naturwissenschaften 6,70% 20,00% 47,10% 26,30%
Sonstige 5,20% 17,60% 46,10% 31,10%

Mit 26,3 Prozent stechen hier besonders die Naturwissenschaftler_innen hervor, für die das Thema am wichtigsten zu sein scheint. Sie werden nur von Sonstigen – also Befragten aus anderen Studiengängen – übertroffen. Eine plausible Erklärung könnte sein, dass sie ökologische Zusammenhänge besser verstehen und die Faktenlage bei ökologischen Sachverhalten besser einordnen können. Wirtschaftswissenschaftler_innen und Informatiker_innen schneiden mit etwa 19 Prozent am schlechtesten ab.

Wirtschaftswissenschaftler_innen lernen aber auch, dass nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen im Endeffekt besser ist. Einerseits betrifft das den enormen Einfluss auf die Umwelt sowie die Gesellschaft und andererseits Faktoren wie das Unternehmensimage, die Reputation und das Vertrauen in ein Unternehmen.

These 1: Studierende wollen Gehalt, Karriere und Work-Life-Balance.

Kurz gesagt: Die These stimmt. Ein faires Gehalt, gute Karriereperspektiven und eine gute Work-Life-Balance sind bei den Absolvent_innen aller untersuchter Fächergruppen unter den Top 10 von insgesamt 19 Auswahlmöglichkeiten der Erwartungen, die sie an zukünftige Arbeitgeber stellen.

Wie schneiden Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung im Vergleich zu anderen Faktoren der Arbeitgeberwahl ab?

Wirtschaftswissenschaften Ingenieurwissenschaften Informatik Naturwissenschaften
Faires Gehalt 67,4 % 65,3 % 65,2 % 63,9 %
Gute Karriereperspektiven 58,9 % 52,2 % 51,6 % 44,6 %
Gute Work-Life-Balance 50,6 % 50,1 % 56,0 % 50,1 %
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung 18,8 % 21,6 % 19,0 % 26,3 %

Die Erwartungen wurden als vierstufige Skala abgefragt (unwichtig, weniger wichtig, wichtig und sehr wichtig). Die abgebildeten Werte zeigen für alle Erwartungen nur die Stufe „sehr wichtig“. Wenn wir uns nun noch die Werte eine Stufe weiter unten hinzunehmen, bei denen die Befragten also Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als „wichtig“ angegeben haben, sehen wir, dass das Thema dennoch sehr relevant ist.

Wie schneiden Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung im Vergleich zu anderen Faktoren der Arbeitgeberwahl ab?

Wirtschaftswissenschaften Ingenieurwissenschaften Informatik Naturwissenschaften
Faires Gehalt 67,4 % 65,3 % 65,2 % 63,9 %
Gute Karriereperspektiven 58,9 % 52,2 % 51,6 % 44,6 %
Gute Work-Life-Balance 50,6 % 50,1 % 56,0 % 50,1 %
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung (wichtig) 46,3 % 48,7 % 45,3 % 47,1 %
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung (sehr wichtig) 18,8 % 21,6 % 19,0 % 26,3 %

Dennoch befindet sich der Punkt Verantwortung über alle Fächergruppen hinweg auf den letzten Plätzen. Bei den Studierenden der Naturwissenschaften wird er im Vergleich als am wichtigsten eingestuft. In den Wirtschaftswissenschaften und in der IT sind die Werte am niedrigsten.

These 2: Männer fordern eher Nachhaltigkeit ein als Frauen.

Männern wird nachgesagt, dass sie sich mehr für Politik interessieren als Frauen und dementsprechend mehr über politische Zusammenhänge und Entwicklungen wissen. Gleichzeitig sehen sie Unternehmen weniger in der Verantwortung, auf gesellschaftliche Probleme einzugehen.

Der Blick in die Daten verrät, dass Frauen in allen vier Studienfächern mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen als ihre Kommilitonen. Spitzenreiterinnen mit 7,6 Prozentpunkten über dem Wert der Männer sind die Ingenieurwissenschaftlerinnen. In den Wirtschaftswissenschaften ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern mit vier Prozentpunkten Unterschied am geringsten. Naturwissenschaftlerinnen kommen mit 28,3 Prozent auf den höchsten Wert im Geschlechtervergleich.

Wie stehen Frauen und Männer zur unternehmerischen Verantwortung?

Fächergruppen Männer Frauen Unterschied (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 16,40% 20,4 % 4,0 %
Ingenieurwissenschaften 19,50% 27,1 % 7,6 %
Informatik 17,50% 23,4 % 5,9 %
Naturwissenschaften 23,40% 28,3 % 4,9 %

Das Geschlecht hat also einen nennenswerten Effekt auf den Faktor Nachhaltigkeit bei der Arbeitgeberwahl.

These 3: Studienabschlüsse haben keine Wirkung.

Viele Studierende fangen bereits nach dem Bachelorstudium an, zu arbeiten. Der Trend geht in die Richtung, dass Absolvent_innen mit Bachelorabschluss den Faktor Nachhaltigkeit häufiger als sehr wichtig erachten, als Studierende, die vor dem Masterabschluss stehen. Oder anders formuliert: Mit einem höheren Abschluss sinkt die Wichtigkeit von nachhaltigem Unternehmertum bei der Arbeitgeberwahl leicht. Dieser Trend gilt aber nicht für die Ingenieur_innen und ITler_innen. Dort bleiben die Werte fast gleich.

Welche Auswirkung hat der Studienabschluss auf Nachhaltigkeit als Faktor der Arbeitgeberwahl?

Fächergruppen Bachelor Master Unterschied (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 19,6 % 16,9 % 2,7 %
Ingenieurwissenschaften 22,0 % 21,4 % 0,6 %
Informatik 18,9 % 19,3 % 0,4 %
Naturwissenschaften 30,0 % 24,8 % 5,2 %

In den Wirtschaftswissenschaften sinkt die Erwartung an Arbeitgeber nach verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln um 2,7 Prozentpunkte. Bei den Naturwissenschaften ist der Unterschied mit 5,2 Prozentpunkten sogar noch größer. In den Ingenieurwissenschaften und der IT ist der Unterschied vergleichsweise gering. Ein möglicher Erklärungsansatz ist, dass ein Masterstudium auch mit Blick auf ein höheres Gehalt absolviert wird. Diese Theorie bestätigt sich mit Blick auf die Daten aber nicht. Die Orientierung auf das Gehalt sowie gute Karriereperspektiven sinken zum Masterabschluss hin in allen Fächergruppen sogar leicht.

Faktoren, die im Vergleich von Bachelor- und Masterstudierenden dagegen steigen, sind:

  • Persönliche Entwicklung
  • Attraktive Arbeitsaufgaben.

Zum Teil kann man diesen Trend auch in der Work-Life-Balance – bei ITlern – und der Wertschätzung der Mitarbeitenden – bei Naturwissenschaftler_innen – erkennen.

These 4: Digitale Talente legen sehr viel Wert auf nachhaltiges Wirtschaften.

Durch die Digitalisierung halten viele neue Technologien, Arbeitsweisen und Kommunikationskanäle Einzug – nicht nur in unser Privatleben sondern auch in die Unternehmen. Studierende mit digitalen Fähigkeiten, die neue Technologien schnell für sich entdecken und ein digitales Mindset haben, werden so immer begehrter für Arbeitgeber.

Bevor wir uns aber ansehen, wie es digitale Talente mit der Nachhaltigkeit halten, sehen wir uns kurz an, was genau digitale Kompetenz ausmacht.

Was charakterisiert digitale Talente?

Um als Digital eingeordnet zu werden, mussten Absolvent_innen vier der folgenden zwölf Statements mit „Ja“ beantworten:

  • Ich bin sicher im Umgang mit diversen Betriebssystemen.
  • Ich bin vertraut mit den Prinzipien des agilen Projektmanagements wie z.B. Scrum, Kanban.
  • Ich habe bereits eine App programmiert bzw. konzipiert.
  • Ich habe bereits eine SEO-Kampagne durchgeführt.
  • Ich habe bereits eine Social-Media-Kampagne durchgeführt.
  • Ich habe bereits eine Website programmiert bzw. konzipiert.
  • Ich habe bereits Erfahrung mit der digitalen Bearbeitung von Videos.
  • Ich habe bereits Erfahrungen im Umgang mit Programmiersprachen.
  • Ich habe bereits mit einem Microjob Geld verdient.
  • Ich kann Datenbanken erstellen.
  • Ich pflege eine Social Media-Seite (z. B. eines Sportvereins).
  • Ich pflege einen Videochannel.

Über alle Fächergruppen hinweg liegt der Anteil an digitalen Talenten bei 33,8 Prozent. In den einzelnen Fächergruppen ist die Verteilung von Digitals in den Wirtschafts- und den Ingenieurwissenschaften recht ähnlich.

Wie hoch ist der Anteil an Digitals in den Fächergruppen?

Fachgruppe Anteil Digitals Anteil Non-Digitals
Wirtschaftswissenschaften 27,7 % 72,3 %
Ingenieurwissenschaften 28, 5% 71,5 %
Informatik 67,5 % 33,5 %
Naturwissenschaften 19,3 % 80,7 %

Die meisten digitalen Talente gibt es selbstverständlich in der Informatik. Bei den Naturwissenschaftler_innen dagegen gibt es die geringste digitale Expertise. Wie wichtig ist digitalen Talenten nun aber, dass Unternehmen nachhaltig wirtschaften?

Wie wichtig ist Digitals der Faktor Nachhaltigkeit bei der Arbeitgeberwahl?

Fächergruppen Total Digitals Unterschied (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 18,8 % 17,9 % 0,9 %
Ingenieurwissenschaften 21,6 % 20,9 % 0,7 %
Informatik 19,0 % 18,2 % 0,8 %
Naturwissenschaften 26,3 % 28,2 % 1,9 %

Die Auswertung der Daten zeigt, dass Digitals im Großen und Ganzen nicht besonders vom Durchschnitt abweichen. Nur in den Naturwissenschaften bewerten digitale Talente unternehmerische Verantwortung mit 28,2 Prozent um fast zwei Prozentpunkte höher als ihre Kommiliton_innen aus den anderen Fächergruppen. Wohingegen das Geschlecht und der Studienabschluss zum Teil große Auswirkungen auf die Arbeitgeberwahl im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit haben, liegen digitale Talente nah am Durchschnitt aller befragter Studierender.

Stattdessen sind ihnen folgende Faktoren überdurchschnittlich wichtig:

  • attraktive Arbeitsaufgaben
  • persönliche Entwicklung
  • Karriereperspektiven
  • hohes Maß an Eigenverantwortung
  • guter Führungsstil

These 5: Die Besten interessieren sich nur für Leistung und Karriere.

Neben den digitalen Talenten sind auch High Potentials überaus begehrt auf dem Arbeitsmarkt.

Begriffklärung: High Potentials zeichnen sich vor allem durch exzellente akademische Leistungen und Praktikumserfahrungen aus. Für die Wirtschaftswissenschaftler_innen und die Ingenieur_innen gehören noch Auslandserfahrung, in Form eines Studiums oder Praktikums, sowie außeruniversitäres Engagement dazu. In der Informatik und den Naturwissenschaften ist die Zuordnung etwas gröber gehalten: Hier reichen exzellente akademische Leistungen und entweder ein Praktikum im Inland oder eine berufliche Nebentätigkeit zum Studium.

In den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften steigt der Anteil an Studierenden beim Faktor Nachhaltigkeit über den Durchschnitt. Bei den ITler_innen und den Naturwissenschaftler_innen liegt er ganz leicht unter dem Durchschnitt.

Wie wichtig ist High Potentials bei der Arbeitgeberwahl, dass Unternehmen nachhaltig und sozial verantwortlich handeln?

Fächergruppen Total High Potentials Unterschied (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 18,8 % 22,9 % 4,1 %
Ingenieurwissenschaften 21,6 % 24,3 % 2,7 %
Informatik 19,0 % 18,2 % 0,8 %
Naturwissenschaften 26,3 % 26,0 % 0,3 %

Wie bereits in These zwei gesehen, hat das Geschlecht einen relevanten Einfluss auf den Faktor Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung bei der Auswahl eines Unternehmens. Dieser Effekt spiegelt sich auch bei den High Potentials wider. Der Faktor Geschlecht steigert die Anzahl an Frauen, die unternehmerische Verantwortung bei der Arbeitgeberwahl als sehr wichtig erachten. Bei den Männern fallen die Werte überall geringer als der Durchschnitt bei den High Potantials aus.

Welchen Einfluss haben die Faktoren High Potentials und Geschlecht auf die Arbeitgeberwahl?

Fächergruppen High Potentials High-Potential-Frauen High-Potential-Männer Unterschied Frauen/Männer (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 22,9 % 26,6 % 16,5 % 10,1 %
Ingenieurwissenschaften 24,3 % 26,0 % 23,7 % 2,3 %
Informatik 18,2 % 23,0 % 16,5 % 6,5 %
Naturwissenschaften 26,0 % 27,8 % 24,6 % 3,2 %

Am größten ist der Unterschied in den Wirtschaftswissenschaften. Hier liegt die Zustimmung zu Nachhaltigkeit bei High-Potential-Frauen um 10,1 Prozentpunkte höher als bei den Männer – bei den ITlerinnen sind es 6,5 Prozentpunkte.

Wenn wir uns nun die Frage stellen, welche High Potentials die höchsten Zustimmungswerte zu Nachhaltigkeit bei Unternehmen haben, können wir zum Geschlecht noch den Abschluss mit hinzunehmen. In den einzelnen Fächergruppen kommen wir zu folgenden Ergebnissen:

Wirtschaftswissenschaften

Mit 9,3 Prozentpunkten mehr Zustimmung als der Durchschnitt kommen High-Potential-Frauen mit einem Masterabschluss auf den höchsten Wert. Ihre Kommilitonen mit Masterabschluss schneiden mit 2,8 Prozentpunkten unter Durchschnitt am schlechtesten ab.

Ingenieurwissenschaften

Hier kommen die High-Potential-Bachelorstudenten auf einen um 8,5 Prozentpunkte höheren Wert als der Durchschnitt. Ihre Kommilitonen aus dem Master dagegen haben den schlechtesten Wert in der Fächergruppe.

Informatik

Bei den Informatiker_innen liegen die High-Potential-Frauen mit Bachelorabschluss weit vorne, sie kommen auf 7,1 Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Die High-Potential-Männer im Bachelor haben die niedrigsten Werte, sie liegen drei Prozentpunkte unter dem Durchschnitt.

Naturwissenschaften

Auch hier schneiden die Frauen im Bachelor mit 8,1 Prozentpunkten über dem Durchschnitt am besten ab. Im Gegensatz zu den anderen Fächergruppen sinkt der Anteil aber am stärksten bei den Frauen im Master.

In diesem Zusammenhang ist auch noch interessant, wie sich die Zustimmung zu Nachhaltigkeit als Faktor der Arbeitgeberwahl vom Bachelor zum Master verändert.

Wie verändern sich die Einstellungen von High Potentials vom Bachelor zum Master?

High Potentials: Frauen.

Fächergruppen Bachelor Master Unterschied (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 24,4 % 28,1 % 3,7 %
Ingenieurwissenschaften 28,6 % 26,2 % 2,4 %
Informatik 26,1 % 20,7 % 5,4 %
Naturwissenschaften 34,4 % 22,4 % 12,0 %

High Potentials: Männer.

Fächergruppen Bachelor Master Unterschied (in Prozentpunkten)
Wirtschaftswiss. 18,5 % 16,0 % 2,5 %
Ingenieurwissenschaften 30,1 % 23,0 % 7,1 %
Informatik 16,0 % 17,2 % 1,2 %
Naturwissenschaften 29,4 % 27,1 % 2,3 %

Der größte Unterschied besteht bei den High-Potential-Frauen in den Naturwissenschaften. Dort sinkt die Erwartung an Nachhaltigkeit bei Arbeitgebern vom Bachelor zum Master um ganze 12 Prozentpunkte. Hier scheint es generell eine größere Prioritätenverschiebung zu geben. Auch Faktoren wie gute Karriereperspektiven, der Erfolg eines Unternehmens und Weiterbildungsmöglichkeiten verlieren an Wichtigkeit. Stattdessen bewerten Masterstudentinnen in diesem Fach Faktoren wie Kollegialität und die Wertschätzung der Mitarbeitenden als sehr viel wichtiger.

Aber auch bei den High-Potential-Männern gibt es einen starken Abfall: 7,1 Prozentpunkte weniger Ingenieurwissenschaftler im Master bewerten Nachhaltigkeit als weniger wichtig im Vergleich zu ihren Kommilitonen im Bachelor. Auch bei ihnen findet ein Wertewandel statt. Während persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Kollegialität als Faktoren abnehmen, legen ein hohes Maß an Eigenverantwortung, ein faires Gehalt und eine internationale Ausrichtung des Unternehmens stark zu.

Profil der Befragten.

Studierende.

Anzahl Teilnehmende.

Wir haben für das Jahr 2019 etwa 55.000 Studierende, die bald ihren Abschluss machen, befragt.

Geschlechterverteilung.

Je nach Studienfach unterscheidet sich auch die Verteilung der Geschlechter. In den Wirtschaftswissenschaften waren 58,9 Prozent der Befragten weiblichen und 41,1 Prozent der befragten männlichen Geschlechts. Mehr Frauen als Männer wurden auch in den Naturwissenschaften befragt. Dort machen die Frauen einen Anteil von 57,7 Prozent aus, die Männer nur 42,3 Prozent. Die Fächer der Ingenieurwissenschaften und Informatik zeigen sich dagegen als „Männerfächer”. Der Anteil an Männern unter den Befragten im Ingenieurwesen macht 73,3 Prozent aus. Frauen sind hier zu 26,7 Prozent vertreten. In der Informatik ist der Anteil der Männer noch größer. Sie sind in diesem Fall mit 74,0 Prozent vertreten und die Frauen zu 26,0 Prozent.

Alter.

Das Durchschnittsalter aller Teilnehmenden liegt bei etwa 24 Jahren. Die befragten Frauen sind etwas jünger als die Männer. Zwischen den Studienfächern herrschen nur minimale Unterschiede in Bezug auf das Alter.

Wohnort.

Die meisten Befragten wohnen mit über 25 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Dicht dahinter ist mit über 16 Prozent Bayern vertreten. Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen waren ebenfalls starke Bundesländer.

In welchem Bundesland wohnst du?

Wirtschaftswissenschaften.

Bundesland Wirtschaftswissenschaften
Baden-Württemberg 11,8 %
Bayern 18,3 %
Berlin 5,4 %
Brandenburg 0,9 %
Bremen 1,7 %
Hamburg 2,3 %
Hessen 9,7 %
Meckl.-Vorpommern 1,6 %
Niedersachsen 7,3 %
Nordrhein-Westfalen 26,0 %
Rheinland-Pfalz 6,9 %
Saarland 0,8 %
Sachsen 3,0 %
Sachsen-Anhalt 1,2 %
Schleswig-Holstein 2,2 %
Thüringen 0,8 %

Ingenieurwissenschaften.

Bundesland Ingenieurwissenschaften
Baden-Württemberg 13,5 %
Bayern 15,9 %
Berlin 7,3 %
Brandenburg 0,7 %
Bremen 0,9 %
Hamburg 3,5 %
Hessen 8,9 %
Meckl.-Vorpommern 0,7 %
Niedersachsen 9,3 %
Nordrhein-Westfalen 25,2 %
Rheinland-Pfalz 3,1 %
Saarland 0,6 %
Sachsen 6,1 %
Sachsen-Anhalt 1,3 %
Schleswig-Holstein 1,2 %
Thüringen 1,8 %

Informatik.

Bundesland Informatik
Baden-Württemberg 12,6 %
Bayern 16,5 %
Berlin 6,2 %
Brandenburg 1,7 %
Bremen 0,8 %
Hamburg 3,4 %
Hessen 11,3 %
Meckl.-Vorpommern 1,0 %
Niedersachsen 6,6 %
Nordrhein-Westfalen 27,0 %
Rheinland-Pfalz 3,6 %
Saarland 1,9 %
Sachsen 3,7 %
Sachsen-Anhalt 0,6 %
Schleswig-Holstein 2,0 %
Thüringen 0,9 %

Naturwissenschaften.

Bundesland Naturwissenschaften
Baden-Württemberg 13,5 %
Bayern 13,8 %
Berlin 8,0 %
Brandenburg 1,1 %
Bremen 0,4 %
Hamburg 3,0 %
Hessen 9,0 %
Meckl.-Vorpommern 1,5 %
Niedersachsen 8,1 %
Nordrhein-Westfalen 27,8 %
Rheinland-Pfalz 3,3 %
Saarland 0,3 %
Sachsen 3,3 %
Sachsen-Anhalt 2,0 %
Schleswig-Holstein 3,2 %
Thüringen 1,6 %

Studienort.

Der Studienort gleicht in diesem Fall dem Wohnort.

Note.

In den Naturwissenschaften, der Informatik und dem Ingenieurwesen liegt der Notendurchschnitt bei 2,3. Wirtschaftswissenschaftler_innen können mit 2,2 einen geringfügig besseren Notendurchschnitt vorweisen.

Durchführung der Studie.

Befragt wurden für das „Absolventenbarometer 2019“ 55.000 Studierende im Zeitraum von September 2018 bis Februar 2019 in Deutschland. Dazu füllten die Studierenden einen Online-Fragebogen aus. Eine Einladung und ein Passwort erhielten sie per E-Mail oder Brief. Für die Einladungen arbeiten wir mit verschiedenen Kooperationspartner zusammen. Nach dem Mitwirken an der Studie erhielt jede_r Teilnehmer_in einen individuellen Teilnahmereport mit einer Auswertung der eigenen Karrierechancen.

Die Analyse der Daten erfolgte in unterschiedlichen Stufen. Zunächst wurden die Ergebnisse innerhalb der gesamten Stichprobe analysiert. Danach wurde untersucht, wie sich die Ergebnisse innerhalb verschiedener Untergruppen von den Gesamtresultaten unterscheiden. Um ein bundesweit repräsentatives Bild von den Meinungen der befragten Studien zu gewinnen, wurden die Antworten so gewichtet, dass das Verhältnis der Anzahl der Antworten pro Fächergruppe, Geschlecht und Region identisch mit dem Verhältnis in der Population ist. So wird sichergestellt, dass unterschiedlich hohe Rücklaufquoten ausgeglichen werden.

Zitierangaben

Quelle: Ullah, Robrindo | „Wie wichtig ist Corporate Social Responsibility?“ | auf: Website der Trendence Institut GmbH 26.6.2019 | URL: www.trendence.com/reports/arbeitsmarkt/relevanz-corporate-social-responsibility

Ein kurzer Hinweis zu den Daten.

Bei der Frage nach den Erwartungen an Arbeitgeber wurden vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Die 4er-Skala bestand aus den Antwortmöglichkeiten unwichtig, weniger wichtig, wichtig und sehr wichtig. Die Prozentangaben in den Grafiken spiegeln jedoch nur die Antwort „sehr wichtig“ wider. Das heißt, immer wenn davon die Rede ist, dass 10 Prozent der Befragten etwas weniger wichtig oder unwichtig fanden, ist damit genau genommen nur gemeint, dass 10 Prozent den genannten Faktor als „sehr wichtig“ bewertet haben.

Über die Trendence Institut GmbH.

Die Trendence Institut GmbH ist ein unabhängiges Beratungs- und Marktforschungsunternehmen und steht seit 20 Jahren für data-driven Employer Branding. Sie kennen die Karrierepläne und Wunscharbeitgeber von jungen Bewerber_innen und helfen Arbeitgebern dabei, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu verstehen. So unterstützt Trendence Arbeitgeber mit seinen Daten und Insights bei anstehenden strategischen und operativen Entscheidungen im Bereich Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting.

Große Aufmerksamkeit erfahren die Barometerstudien und Arbeitgeber-Rankings: Jedes Jahr ermittelt Trendence in den Barometerstudien mit mehr als 90.000 Schüler_innen, Studierenden und Young Professionals die Rankings der 100 attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands. Die daraus resultierenden Siegel helfen Arbeitgebern dabei, mit ihrer Ranking-Position ins Blickfeld der Bewerber_innen zu rücken und geben Berufseinsteigenden Orientierung bei der Jobwahl. Daneben führen sie auch Auftragsstudien durch. Abhängig von der Zieldefinition wählen sie dann die entsprechende Studienmethode: von quantitativen Online-Befragungen über Fokusgruppen bis hin zu Tiefeninterviews.

Komplettiert wird das Angebot durch die Auszeichnungen für faire Arbeitgeber für Fachkräfte sowie karrierefördernde Trainee- und Ausbildungsprogramme. Die Zertifizierung beruht auf einem Audit, das die Programme hinsichtlich definierter Qualitätskriterien prüft. Diese werden zusammen mit Vertreter_innen aus der Wissenschaft entwickelt – zum Beispiel mit Prof. Dr. Ingo Weller vom Institut für Personalwirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München oder Prof. Dr. Anja Seng, Professorin für BWL mit Schwerpunkt Personalmanagement, an der Hochschule für Ökonomie & Management (FOM).

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